Gabis "Außenspiegel"
  Kulturbeutel
 




Wie der traurige kleine Vogel seine Freiheit fand

Es war einmal ein kleiner Vogel, der lebte schon ewig in einem Käfig. Das störte ihn nicht, er fühlte sich sicher und behütet, bekam täglich Futter und Wasser hineingereicht und zwitscherte so vor sich hin.

Tagsüber schien die Sonne durchs Fenster und wärmte sein Gefieder, nachts ging der Mond an der Zimmerdecke auf. Wenn sich ein dunkles Tuch über ihn legte, wurde er müde, stecke das Köpfchen unter sein Gefieder und schief ein. Er träumte von Bäumen, Wind, fetten Würmern (ob die schmecken?) und schwebte unter Wolken dahin.

Eines Tages war plötzlich alles anders. Es gab kein schützendes Tuch zur Nacht, der Mond ging nicht an, der Tag schaute trübe durchs Fenster. Niemand kam mit Futter und Wasser. Der kleine Vogel wurde sehr traurig. Doch dann bemerkte er, dass das Türchen des Käfigs offen stand. Ganz vorsichtig hüpfte er in die Richtung und setzte sich in die Öffnung. Und nun? Geflogen war der kleine Vogel noch nie richtig. Er breitete wieder und wieder die Flügel aus und dann rutschte er ab – und flatterte zu Boden. Aufgeregt und mit klopfendem Herzen versuchte er ein paar Luftsprünge. Seine ersten Flugversuche waren erbärmlich, aber irgendwie klappte es dann doch besser. Er rutschte nicht mehr von der Stuhllehne ab, fand Futter in der Küche, er musste sich nur selbst bedienen. Nachts schlief er nun im Gummibaum. Vor dem Fenster saß bei Dunkelheit eine große hässliche Eule, die ihn anzustarren schien, nicht unfreundlich, aber das war ihm nicht geheuer.

Am Tage sah er, dass das Fenster offen stand. Der Vogel setzte sich aufs Fensterbrett und ließ sich den Wind durchs Gefieder wehen. Er breitete die Flügel zur Probe aus. Wie es wohl wäre, draußen herumzufliegen? Er versuchte es, blieb aber in der Nähe des Hauses.

Als die Dämmerung einsetzte, wollte er wieder zum Fenster hinein – und knallte gegen Glas. Aua. Er versuchte es wieder und wieder, da drin war doch alles, was er hatte! Ganz erschöpft und verzweifelt saß er außen auf der Fensterbank und konnte es nicht glauben.

Da kam die Eule fast lautlos herangerauscht, setzte sich neben ihn und sprach: „Kleiner Vogel, du musst jetzt fliegen lernen, wie deine Artgenossen draußen auch. Aber keine Angst, ich weiß einen Platz, wo du hin kannst. Vertrau mir.“ Sie nahm den kleinen Vogel unter ihren Flügel und hob ab. Die Nacht war schwarz und kalt und das Vögelchen hatte Angst, dass die Eule es fallen lassen würde. Unbegründet. Irgendwann landete sie sanft auf einem Balkongeländer unter einem Dach. Der kleine Vogel schaute in eine helle Wohnung, die ähnlich aussah, wie die, die er verlassen musste. Er fing zaghaft an, sich zu freuen. Da war zwar Glas, aber ein Stück zum Durchschlüpfen war offen. Die alte Eule gab ihm noch ein paar Ratschläge. „Futter findest du draußen auf der Wiese. Wenn du ein bisschen mit den Füßen trampelst, denken die Regenwürmer, es regnet und kommen an die Oberfläche, dann kannst du sie fressen. Die schmecken köstlich und sind nahrhaft. Schau da drüben den Wald an, da sind Bäume, die dich schützen. Achte auf Eichhörnchen, die lassen immer leckere Reste von Eicheln und Nüssen liegen. Trinken und baden kannst du gleich hier in der Regenrinne. Und wenn ich dir helfen kann, dann ruf mich. Ich bin nicht weit weg.

Die Eule rauschte ab, winkte noch einmal mit dem Flügel und verschwand in der Dunkelheit. Mit klopfendem Herzen traute sich der kleine Vogel ins warme, helle Zimmer – und diesmal war da keine Scheibe, an die er knallte. Er suchte den Käfig, damit er sich sicherer fühlen konnte, aber hier gab es keinen. Dafür überall Sitzstangen, auf denen er es sich gemütlich machen konnte. Er war zwar allein, aber sicher. Es drohte ihm keine Gefahr, das spürte er. Er steckte das Köpfchen unter den Flügel und träumte von dem Wald, zu dem er gleich morgen fliegen würde.

Ab und zu flog die Eule mal vorbei, aber er brauchte sie nicht mehr. Seine Flügel wurden von Tag zu Tag kräftiger, Gefahren, wie die schwarz-weiße Katze die ums Haus strich, hatte er im Blick. Er konnte rein und raus, so oft er wollte.

Zuerst traute er sich nicht weit weg, aber dann begann der Vogel, höher und weiter zu fliegen, unter den Wolken zu kreisen und empfand das große Gefühl der Freiheit. Nie wieder wollte er nun in den kleinen Käfig zurück, auch wenn er manchmal noch davon träumte. Und jeden Tag landete er abends auf seinem Balkongitter, nahm einen Schluck aus der Regenrinne und kehrte zurück in die Geborgenheit, die ihm keiner streitig machte, die nur ihm gehörte, wo er hüpfen, singen und zwitschern konnte, wann und so viel er wollte. Er fühlte sich nun groß und stark, mindestens wie ein Rabe. Und ob der Mond an der Decke anging oder nicht, bestimmte er selbst.

Hier endet die Geschichte und fängt neu an
(PS: Die Eule steht symbolisch für ALLE helfenden Hände)



Das Buch habe ich von Bastian zu Weihnachten
bekommen und gerne gelesen


Ein kleines Café mitten im Nirgendwo wird zum Wendepunkt im Leben von John, einem Werbemanager, der stets in Eile ist. Eigentlich will er nur kurz Rast machen, doch dann entdeckt er auf der Speisekarte neben dem Menü des Tages drei Fragen: »Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben?« Wie seltsam – doch einmal neugierig geworden, will John mithilfe des Kochs, der Bedienung und eines Gastes dieses Geheimnis ergründen.

Die Fragen nach dem Sinn des Lebens führen ihn gedanklich weit weg von seiner Vorstandsetage an die Meeresküste von Hawaii. Dabei verändert sich seine Einstellung zum Leben und zu seinen Beziehungen, und er erfährt, wie viel man von einer weisen grünen Meeresschildkröte lernen kann. So gerät diese Reise letztlich zu einer Reise zum eigenen Selbst. Ein ebenso lebendig geschriebenes, humorvolles wie anrührendes Buch (Amazon)

aufgeräumt.

 

 
  Heute waren schon 18 Besucher (55 Hits) hier!